· 

Gardinen im Stall? Oder doch Winterquartiere?

Erst kam das Loch in die geschlossene Wand und dann habe ich mich für Lamellen entschieden. Ich habe bereits in anderen Ställen beobachtet, dass es angeblich ein Windschutz ist und die Pferde problemlos hindurchwandern.

 

Meine Pferde stehen noch auf der Sommerweide. Es braucht einiges an Vorbereitung um den Pferden nachts die geforderte behagliche Umgebung zu bieten. Jedes Jahr verbessere ich hier und da wieder ein Stück und jedes Jahr habe ich neue Ideen. Einige verwerfe ich dann wieder im Winter, weil es doch in der Umsetzung nicht so hingehauen hat wie ich mir das gedacht hatte. Wie zum Beispiel ein großes Heunetz über den Rundballen zu legen, damit das Heunetzstopfen in kleine Netze wegfallen kann. Dies ist leider in noch mehr Arbeit gemündet, da diese Netze unglaublich eng an den Ballen lagen und wir zu 2. oft sehr lang zu tun hatten das Teil überzuziehen. Teilweise hatte das Heu auch unschöne Stellen, die erstmal entfernt werden mussten. Manchmal sogar ganze Ballen! Ich habe mich nun für die Heulage entschieden. Das staubt nicht mehr und es kann auch draußen gelagert werden weil es eingepackt ist in Plastik. Für die Umwelt ist das natürlich wieder ein Graus!  Die Heulage ist zu 90 % ca. trocken. Es ist für mich ein guter Kompromiss zu dem ewig staubigem Heu. Außerdem ist das Lagern des Heus auf freiem Feld unter Vlies immer ein Risiko.

 

Ich halte viel davon, dass meine Pferde eine richtige Nachtruhe im Winter im Stall haben. Auch weil ich direkt nebenan schlafe und nachts fast jedes Geräusch vom Stall wahrnehme. Disziplin im Stall ist auch deswegen unerlässlich ;-) Jedes Pferd hat einen eigenen Bereich mit Unterstand und Außenbereich. Jedes Pferd hat ein Liegeplatz und ausreichend zu fressen. Ich habe aus Erfahrung gehandelt und diesen Stall damals schon umgebaut, als ich festgestellt habe dass mein Pinto Masou am Anbinder fast umgefallen wäre vor Müdigkeit. Er konnte einfach nicht in Ruhe schlafen als rangniedrigstes Pferd zwischen 2 Artgenossen. Pferde haben wie wir tiefe Schlafphasen. Diese dauern nicht so lange wie bei uns Menschen. In dieser tiefen Schlafphase fährt ihr Körper herunter. Atem- und Herzschlagfrequenz verlangsamt sich. Das Gehirn ist in der Ruhephase. Wobei sie auch in dieser Phase auch sofort reagieren können wenn Gefahr droht.

 

Die temporäre Trennung meiner Pferde, übrigens natürlich mit direkter Sichtweite,  ist wichtig für sie, weil sie erstens ein zusammengewürfelter Haufen sind, eine Art "Zwangs-WG". In der freien Wildbahn hätten sie sich bestimmt nicht zu einer Herde formiert. Zweitens ist Waseem noch ein junges Pferd und übt sich in der Herdenführung. Auch ihm möchte ich die Möglichkeit geben, aus seiner Rolle auszutreten um Entlastung zu erfahren. Kraft zu tanken - mal nicht zu kommunizieren, um dann gestärkt den nächsten Wintertag zu begegnen. Jarno liebt seine Ruhe und seinen Fressplatz für sich. Masou braucht wie schon erwähnt Schutz vor Bissen. Pferde haben im Winter einen anderen Rythmus. In meiner Haltung ist es ähnlich. Die Pferde leben im Sommer 24 Stunden auf einer großen Weide mit Unterstand. Keine Trennung, alle zusammen. Sie ruhen viel tagsüber und fressen eher nachts. Wenn es herbstlich wird geht es verstärkt um Futtersuche und um das selektieren der noch vorhandenen guten Gräser auf der etwas kargen Weide. Wenn die Nächte kalt und vor allem nass werden, ist es für mich Zeit die Pferde abends in den Stall zu bringen. Am Tage nach dem Frühstück kommen sie dann auf die nahegelegene Winterweide. Sie haben dort noch viel Gras. Auch wenn dieses Gras zurückgeht, bekommen sie am Tage (5 - 6 Stunden ca.) meistens nichts außer ggf. etwas Wasser auf die Weide. Wenn sie mit mir arbeiten, erhalten sie selbstverständlich das nötige Futter vorher. Sie haben auch natürlich noch genug um zu grasen und Sträucher zum knabbern. Aber sie spüren manchmal Hunger und auch manchmal Durst. Es ist wichtig für das Verdauungssystem und auch für die Psyche, dass sie dies auch mal erleben. So bleiben sie wach und sind nah an ihrer Natur. Sie gehen dann gerne in den Stall und haben alles was sie brauchen. Wenn ich dann in ihre Augen blicke, sehe ich die blanke Natur. Die Wachheit des Geistes und die Kraft in ihnen. Das Leben fühlen, den Körper spüren. All das ist wichtig für mich um den Pferden so naturnah zu halten wie es mir möglich ist und was ich mit meiner Verantwortung vereinbaren kann.

 

Nun bin ich wieder vom Thema abgekommen. Es ging ja um die Gardinen. Waseem wurde schon mit ihnen bekannt gemacht. Er ist sich noch nicht sicher, was das soll. Er traute sich noch nicht, ohne dass ich ihm etwas offen gehalten habe durch. Wir werden sehen, eins ist auf jeden Fall klar, wenn er den molligen Stall sieht wird er sicher rein wollen und überwindet sich.

Es bringt Spaß ihn immer mehr kennenzulernen. Nicht einmal zeigte er bisher Panik oder extreme Angst. Er geht mit mir mittlerweile überall entlang, wobei er oft stehenbleiben muss um alles aufzunehmen und zu verarbeiten. Seine Neugierde ist so groß, dass diese immer gewinnt bei solchen Herausforderungen wie die "neue Gardine" wird es sicher nicht anders sein. Das Pferd langsam in seiner Zeit stark werden lassen. Was für ein Geschenk dass ich es bin die es ihm zeigen darf! Dieses zauberhafte Wesen -